
Auf der Nachzuchtschau in Miesbach am 20.04.2007 wurden Töchtergruppen von 5 Vererbern präsentiert, die entweder schon im Besamungseinsatz sind bzw. mit der Veröffentlichung der Mai-Zuchtwertschätzung erwartet werden. Selten ging hinterher die Meinung der Besucher so auseinander, wenn sie nach ihren Favoriten befragt wurden. Je nach züchterischen Schwerpunkten ließen sich Argumente für alle Bullen finden. ROCH: Der Rochen-Sohn aus der inhaltsstoffstarken Malf-Tochter Herri ist bereits im Besamungseinsatz und konnte schon auf der GFN-Schau mit einer Gruppe gefallen, die zum größten Teil identisch mit den in Miesbach gezeigten Kühen war. Während der erste Eindruck auf dem Stand eine echte Spitzenkuh vermissen ließ, konnte die Gruppe im Ring sehr stark durch ihre Ausgeglichenheit überzeugen: Gut mittelrahmige Kühe im Doppelnutzungstyp mit leichter Betonung in Richtung Milch. Die Fundamente waren insgesamt korrekt, die Sprunggelenke jedoch vereinzelt nicht ganz klar. Auch die Euter präsentierten sich sehr uniform, hoch angesetzt und überwiegend drüsig. Die Strichplatzierung war korrekt, die Strichlänge z.T. etwas kurz. Die Roch-Töchter machten insgesamt den ausgeglichensten Eindruck aller 5 Gruppen. Sollte er seinen Zuchtwert im Mai bestätigen oder gar tendenziell verbessern können, wird Roch für die neue Besamungssaison eine sehr interessante Alternative darstellen. IDOL: Der Regio-Sohn aus einer Horwart-Tochter präsentierte seine Gruppe im Gegensatz zu Roch auf dem Stand etwas besser als im Ring. Auf dem Stand fiel die sehr uniforme Kreuzbeinhöhe und Oberlinie der Idol-Töchter positiv auf. Sie zeigten auch genügend Breite in der Vorhand, im Ring wurde allerdings deutlich, dass ihnen etwas Rumpftiefe fehlte, so dass sie vereinzelt recht aufgezogen wirkten. Dies kann sich im Laufe der Laktation aber noch ändern. Die Fundamente waren durchwegs korrekt, die Gelenke zum Teil leicht grob, aber nicht schwammig. In der Hinterbeinwinkelung war eine Streuung von leicht winkelig bis steil zu beobachten. Die sehr gut beaderten Euter zeigten etwas viel Volumen, waren aber bis auf zwei Ausnahmen lang und fest angesetzt. Sehr überzeugend waren die hohen Leistungen der ausgestellten Idol-Töchter. Im Mai werden wir sehen, ob sich Idol für den breiten Einsatz anbietet. Er sollte auf jeden Fall weiter beobachtet werden. ISAR 1: Dieser Regio-Sohn aus der Didi-Tochter Linda wurde im Vorfeld wegen der hohen Einsatzleistungen schon mit viel Spannung erwartet. Die 5-köpfige Gruppe zeigte sich sehr kalibrig mit viel Rahmen, Rumpftiefe und Ausdrucksstärke. Die Fundamente waren von kleineren Mängeln abgesehen korrekt. In der Euteranlage war dagegen eine deutliche Streuung zu erkennen. Während die Eutertextur überwiegend positiv zu bewerten war, fiel das stark unterschiedliche Eutervolumen und vor allem die Variation in der Strichplatzierung und –ausbildung als Schwachstelle im Vererbungsblid auf. Bei ISAR 1 bleibt somit abzuwarten, ob in der Mai-Zuchtwertschätzung neben der starken Milchleistungsvererbung auch das Exterieur in allen Belangen überzeugen kann. DON JUAN: Seine Mutter, Romen-Tochter Glocke ist bis weit über die Grenzen bekannt. Vater Dimsal stellt dagegen eine echte Linienalternative dar. Die Don Juan-Gruppe in Miesbach konnte durchaus positiv überraschen. Sie präsentierte sich sehr einheitlich mit guten Übergängen, im Typ sind die Töchter größtenteils gut mittelrahmig. Sprunggelenke und Hinterbeinwinkelung waren zumeist korrekt und auch die Fessel zeigte sich straff genug. Die Euter waren lang und fest angesetzt; das Eutervolumen streute jedoch etwas. Auffällig war ein gutes Zentralband, während die Strichplatzierung in der Tendenz doch etwas nach außen gerichtet war. Die Leistungen der ausgestellten Kühe blieb leicht hinter denen der anderen Gruppen zurück.So wird sich der weitere Werdegang von Don Juan wohl vor allem danach richten, ob er die bisherige Milchmengenvererbung halten kann. Die in Miesbach ausgestellte Gruppe konnte auf jeden Fall Werbung für den Bullen machen. RAU: Vom euterstarken Vererber Rau, der in Deutschland und Österreich getestet wurde, konnte vor kurzem schon eine Nachzuchtgruppe in Niederösterreich begutachtet werden, die überwiegend positive Resonanz hervorrief. Die in Miesbach präsentierten Rau-Töchter zeigten sich rahmig, aber nicht ganz einheitlich im Typ. Neben zwei fleischigeren Typen waren vier milchbetonte Kühe zu sehen, deren Sprunggelenke nicht immer ganz klar waren. Die Trachten hätten zudem etwas höher sein können. Die Euter waren hoch, jedoch im Ansatz nicht immer ganz fest angesetzt. Insgesamt fehlte ihnen etwas Ausstrahlung. Die Striche waren allerdings sehr gut platziert und ausgeprägt. Rau, der über den mütterlichen Urgroßvater Hau 16% RH-Blut führt, ist bereits im Besamungseinsatz und dürfte bei einer Stabilisierung der Zuchtwerte im Mai weiter verwendet werden. Auf die Fundamentvererbung ist dabei allerdings acht zu geben. |