
Am 03.07.2007 wurde von der Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen eine Nachzuchtbesichtigung der hoffnungsvollen Braunvieh-Newcomer Husjet und Emerog durchgeführt. Beide Bullen haben mit hohen Anlaufzuchtwerten in der Mai-Zuchtwertschätzung auf sich aufmerksam gemacht, wobei Husjet sogar die Spitze der Topliste erobern konnte. Der Einladung zur Nachzuchttour folgten zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland. So waren z.B. neben den deutschen Besamungsorganisationen Delegationen aus den österreichischen Bundesländern Oberösterreich, Steiermark und Tirol, aus der Schweiz und aus Holland anwesend. HUSJET Es wurden 10 Töchter in 10 Herden besichtigt, die insgesamt einen sehr einheitlichen Eindruck vermittelten. Es handelte sich um mittelrahmige Kühe, die sehr harmonische Übergänge zeigten und eher den etwas spätreifen Typ repräsentierten. In puncto Stärke war eine gewisse Variation in der Vorhand zu beobachten. Im Fundament gefielen besonders die überwiegend hohen Trachten und durchweg festen Fesseln; die Sprunggelenke waren zum Teil etwas gröber ausgeprägt. Die Beckenneigung war zumeist korrekt mit leichter Tendenz zum ebenen Becken. Der Umdreher war eher etwas weit hinten platziert. So fiel auch die Hinterbeinwinkelung oftmals stärker als gewünscht aus. Die lebhaften Euter präsentierten sich fest genug aufgehängt mit einer deutlichen Viertelung. Das in der linearen Beschreibung nur schwach ausgeprägte Zentralband bestätigten die besichtigten Töchter nicht. Vielmehr war es im Euterboden klar erkennbar und verlor sich lediglich im Hintereuter etwas. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die vorderen Striche sehr korrekt platziert waren, während die hinteren Zitzen eine geringfügige Tendenz nach außen aufwiesen. Die Voreuter waren zumeist lang angesetzt und zogen sich gut in die Bauchdecke, die Hintereuter hätten etwas höher angesetzt sein können, zeigten aber eine gute Breite. Das Leistungsvermögen der Husjet-Töchter lag auf durchschnittlichem Niveau bei überwiegend hohen Eiweißprozenten. Alle Züchter hoben die Problemlosigkeit der Husjet-Töchter hervor und setzen ihn wieder ein. Husjet wird bereits im Wiedereinsatz und in begrenztem Umfang auch in Zuchtprogrammen genutzt. Die Kombination Hussli x Jetway-Famosa aus der F-Kuhfamilie vom Betrieb Babel kann als gelungen betrachtet werden. Für den weiteren Einsatz wird entscheidend sein, ob Husjet die aktuelle Milchmengenvererbung von +781 kg weitestgehend halten kann.  | Husjet-Tochter Sofi | EMEROG Emerald x Vogue x Vinos lautet die Linienführung bei diesem Bullen, der im Mai mit einem deutlichen Zuwachs im Milchwert und im Gesamtzuchtwert aufwarten konnte. Die 7 besichtigten Töchter demonstrierten das Schaupotenzial dieses Bullen, der zudem eine gute Leistungspersistenz aufweisen sollte. Alle auf der Nachzuchttour gesehenen Töchter präsentierten sich sehr rahmig, elegant und im Milchtyp stehend mit guter Rippe. Die Oberlinie zeigte sich sehr fest und korrekt. Die Becken wiesen mit zwei Ausnahmen die gewünschte Neigung auf. Die Hinterbeine waren korrekt gewinkelt und von hinten schön parallel gestellt. Sehr klare Sprunggelenke wechselten sich mit gröberen ab. Die Fesseln waren durchweg fest und die Trachten mit einer Ausnahme hoch genug. Besonders hervorzuheben war die Euterqualität der Emerog-Töchter: Überwiegend sehr drüsige, hoch und fest aufgehängte Euter, die sich exzellent in die Bauchdecke zogen. Die breiten Hintereuter hätten noch etwas höher angesetzt sein können. Das Zentralband war klar ausgeprägt. Die zumeist kürzeren Striche waren von zwei Ausnahmen abgesehen sehr korrekt platziert. Sehr auffällig war außerdem das Leistungsniveau und vor allem das sehr gute Durchhaltevermögen der besichtigten Emerog-Töchter, was auf eine gute Zuchtwertentwicklung hoffen lässt. Der Bulle Emerog musste leider bereits während der Wartezeit geschlachtet werden, und sein Spermavorrat ist äußerst knapp, so dass die Samenausgabe für den Export sehr gezielt erfolgen soll.  | Emerog-Tochter Ilse | Weitere Betriebsbesichtigungen Mit der Besuchergruppe aus Holland wurden am darauf folgenden Tag noch die Betriebe Babel, Breyer, Gerle und Merk sowie die Besamungsstation in Memmingen besichtigt, wo eine kleine Bullenpräsentation stattfand. Der Betrieb Babel als Züchter des Bullen Husjet ist sämtlichen Braunviehzüchtern im In- und Ausland bestens bekannt. Im vergangenen Jahr beeindruckte er vor allem mit den Schausiegern Starbuck-Fanfare und Vinozak-Diva auf der deutschen Braunviehschau in Buchloe. Die Fuchsi-Kuhfamilie kann zudem auf Nachzucht in allen europäischen Braunviehländern verweisen, die überall mit ihren extrem hohen Eiweißprozenten glänzt. Schon zahlreiche Interessenten pilgerten in den vorangegangenen zwei Jahren zum Betrieb von Josef Breyer, um die Etvei-Tochter Tibe zu bewundern, deren Fotoaufnahmen in der ersten und zweiten Laktation viel Promotion für ihren Vater brachten. Nach einer Erstlaktation mit 8.000 kg Milch bei 3,4% Eiweiß steigerte sich Tibe im zweiten Jahr auf 11.000 kg bei 3,6% Eiweiß. Nach dem dritten Kalben hat Tibe nun drei Kontrollen mit über 50 kg Milch abgeschlossen, was auf einen weiteren Leistungsschub hindeutet. Besonders erfreulich ist dabei, dass sich Tibe weiter topfit zeigt. Sehr zur Freude des Züchters hat sie dieses Jahr ein Kuhkalb von Encore gebracht. Für jeden Züchter ist es beeindruckend, die Braunviehherde von Markus Gerle in Untrasried zu besichtigen. Mit mehr als 13.000 kg Milch Durchschnittsleistung bei 65 Kühen stellte er im vergangenen Jahr einen neuen Rekord im Braunviehzuchtgebiet auf, der auch jeden Holsteinzüchter auf der Welt aufmerken lässt, zumal die Kühe im Betrieb Gerle einen durchschnittlichen Eiweißgehalt von 3,75% aufweisen. Dass dabei die Fütterung eine sehr große Rolle spielt, aber andererseits auch die entsprechende Genetik vorhanden ist, beweisen die Bullen Egiz, Encore und Hunter, die voriges Jahr allesamt mit hohen Zuchtwerten in den Wiedereinsatz gelangten. Auf dem Betrieb von Anton Merk ließ sich nachvollziehen, welche Leistungsentwicklung beim Braunvieh möglich ist. Innerhalb von nur drei Jahren wurde die Leistung in der 50-köpfigen Herde von durchschnittlich 7.500 kg auf 9.700 kg gesteigert. Als Väter tauchen sehr unterschiedliche Bullen auf, wobei der große Anteil an deutschen Vererbern auffällt. So konnten u.a. sehr gute Töchter von Hucos, Jublend, Jupaz und Aytra besichtigt werden. Auch General passte sehr gut in die Herde. Zum Abschluss bekamen die Besucher aus Holland eine kleine Präsentation von Braunviehbullen, die sich im Wiedereinsatz befinden und von aktuellen Prüfbullen an der Besamungsstation der RBG Memmingen, wodurch das zweitägige Programm gut abgerundet wurde. Wir danken den Mitarbeitern der Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen für die sehr gute Organisation der Besichtigungstour und den besichtigten Betrieben für die Zeit und das Engagement bei der Vorstellung ihrer Tiere. |